Die aktuelle Klimasituation in den Alpen

Die Alpen besitzen an vielen Stellen ein extrem sensibles Mikroklima. Teilweise weist das Wettergeschehen selbst in benachbarten Tälern größere Unterschiede auf. Doch wodurch wird das beeinflusst?

Einerseits spielt hier der Wind eine entscheidende Rolle. Die gesamten Alpen sind von tiefen Querfurchen durchzogen, die fast parallel zum Äquator verlaufen. Dort hat der vom Atlantik kommende Westwind gute Chancen, bis tief ins Landesinnere vordringen zu können. Die Täler, die er erreichen kann, weisen eine im Winter eine höhere und im Sommer eine niedrigere Temperatur als die Nachbartäler auf, wo der Passat nicht hinkommt. Das Wettergeschehen in diesen Regionen wird sehr stark auch vom Golfstrom beeinflusst.

Der mittlere Teil der Alpen sollte, so denkt man, ein ausgeglichenes Klima aufweisen. Doch das ist nicht der Fall. Die Nordseite wird von dem Wettergeschehen beeinflusst, das über den Nordatlantik hinweg über Belgien und Deutschland einwirkt. Hier gibt es teils erhebliche Unterschiede bei den Niederschlägen. Das gilt auch für den Süden der mittleren Alpen, wo es allerdings deutlich mildere Temperaturen im Winter gibt. Sie liegen meist nur knapp unter dem Gefrierpunkt, wie zum Beispiel die Gäste in den zahlreichen italienischen Skigebieten feststellen können. Beide Faktoren zusammen führen dazu, dass diese Gebiete als besonders schneesicher gelten.

Der Ostteil der Alpen ist von den deutlichen Einflüssen des kontinentalen Klimas geprägt. Geringe Niederschläge und große Temperaturdifferenzen prägen das Bild der regionalen Klimatabellen. Hier kann es im Sommer krachend heiß und im Winter bissig kalt werden, wenn der Wind aus Osten weht und die Luft aus der russischen Tundra bis hinüber nach Europa bläst.

Aktuell ist in den Alpen eine Zunahme des Volumens der Bäche und Flüsse zu beobachten, dass der Tatsache geschuldet ist, dass einige Gletscher in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Masse und Ausdehnung verlieren. Satellitenmessungen haben ergeben, dass die Eiskappen der Berge immerhin schon mehr als ein Drittel ihres Volumens verloren haben. Dieser Trend scheint sich derzeit noch zu verstärken, was viele Klimatologen als Anzeichen eines globalen Klimawandels werten.