Die historische Entwicklung des Alpenklimas

Die Alpen unterlagen auch in der erdgeschichtlichen Vergangenheit zahlreichen klimatischen Schwankungen. Wenn man sich die von den Klimaforschern erarbeiteten Tabellen anschaut, dann stellt man fest, dass es im Abstand von etwa 800 bis tausend Jahren immer wieder Warmzeiten und Kaltzeiten gegeben hat. Die nächste periodisch eintretende Warmzeit in den Alpen ist etwa um das Jahr 2100 zu erwarten. Dieses Phänomen der sich sinuskurvenartig verändernden Durchschnittstemperaturen auf der nördlichen Erdhalbkugel wird in Fachkreisen auch als Dansgaard Oeschger Zyklus bezeichnet.

Etwa vier Jahrhunderte vor Beginn der christlichen Zeitrechnung müssen die Alpen schon einmal komplett eisfrei gewesen sein. Das haben nicht nur die Geologen heraus gefunden, die sich speziell der Klimaforschung widmen, sondern auch die Historiker haben das bestätigt. Die alten Römer bauten nämlich in den höheren Lagen der Alpen Gold und Silber ab. Das wäre ihnen angesichts der zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel nicht möglich gewesen, wenn die Gipfel damals unter einer dicken Eisschicht gelegen hätten. Auch hat man bei Grabungen die Überreste einiger Minen gefunden, die genau das bestätigen.

Ein zweites so genanntes Klimaoptimum hat es in der Alpenregion im 12. Jahrhundert gegeben. Zwar wurde es in dieser Zeit nicht ganz so warm wie zur Zeit der alten Römer, aber die Klimahistoriker fanden Beweise, dass die Alpen in der mittelalterlichen Warmzeit ebenfalls komplett eisfrei gewesen sein müssen.

Dazwischen lagen immer wieder auch kältere Zeiten, in denen die Gletscher an Masse gewinnen konnten. Heute weiß man, dass eine erste Kaltphase ihren Höhepunkt um das Jahr 400 herum erreicht haben muss. In den Fachbüchern der Meteorologen und Klimatologen findet man sie unter der Bezeichnung „Dark Ages“. Etwa 1.200 Jahre später kam der nächste Temperatureinbruch durch die „Kleine Eiszeit“, während der die Gletscher ebenfalls sehr stark angewachsen sind.

In den nächsten Jahrzehnten fällt die zyklische Erwärmung mit den Folgen des menschlichen Wirkens auf der Erde zusammen. Da es aus den Warmzeiten der Vergangenheit nur wenige verwertbare konkrete Messungen gibt, basieren heute alle Klimaprognosen auf theoretischen Annahmen und hypothetischen Hochrechnungen. Wie sich das Klima in den Alpen tatsächlich verändern wird, darüber wird in Fachkreisen heftig debattiert. Genauer werden es erst die Generationen wissen, die heute noch nicht einmal geboren sind.