Schneelawinen in den Alpen

Welche enormen Gefahren für den Menschen von den Schneelawinen ausgehen, das hat das Jahr 1999 in dem österreichischen Wintersportort Galtür gezeigt. Hier kamen bei zwei Lawinengroßereignissen innerhalb eines Jahres mehr als vierzig Menschen zu Tode. Darunter befanden sich auch Mitglieder einer Gruppe von Wanderern, die mit einem ortskundigen Bergführer unterwegs waren. Das allein beweist, wie heimtückisch die Schneelawinen sein können.

Bei den Lawinen in den Alpen unterscheidet man drei Arten. Dabei handelt es sich um Lockerschneelawinen, Schneebrettlawinen und Eislawinen. Ihre Unterscheidung resultiert aus der Ursache, durch die sie ausgelöst werden. Bei der Lockerschneelawine genügt schon eine faustgroße Menge an Schnee als Auslöser. Als Schneebretter bezeichnet man Abbrüche von verfestigtem Schnee. Eislawinen entstehen an den Gletscherrändern, wenn durch mechanische Beanspruchung Kanten wegbrechen. Bei Schneebrettern und Eislawinen besteht die größte Gefahr für den Menschen durch scharfe Kanten und größere Bruchstücke, die dem Körper allein durch ihr Gewicht Schaden zufügen können. Bei Lockerschneelawinen ist es die Erstickungsgefahr, die die meisten Todesopfer fordert.

In den Alpen sind gut gestreut Posten der Bergwachten eingerichtet worden. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, gefährdete Hänge, die die typische Neigung zwischen 25 und 45 Grad aufweisen, täglich zu überprüfen und gegebenenfalls durch eine Sprengung einen zielgerichteten planbaren Abgang der Schnee- und Eismassen zu veranlassen. Solche Vorsorgesprengungen werden häufig auch vom Helikopter aus durchgeführt, wenn man anders an die gefährdeten Stellen nicht heran kommt.

Die Alpengemeinden nutzen aber auch moderne Technik, um der Lawinengefahr zu begegnen. So werden besonders gefährdete Hänge mit stählernen Gittern und Zäunen gesichert. Auch die Aufforstung kahler Hänge ist ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung der Lawinengefahr. Darüber hinaus werden an Hängen mit besonders hohem Risiko Schutzhütten errichtet, in denen man sich flüchten kann.

Sind trotzdem Personen verschüttet worden, so können die Bergwachten nicht nur auf die gut ausgebildeten Lawinenspürhunde zurück greifen, sondern binnen kürzester Zeit eine große Zahl von Helfern mobilisieren, die mit langen dünnen Eisenstäben die Lawinenregion nach verschütteten Menschen absuchen können. Sollte man von einer Lawine erwischt werden, kann man den Rettungskräften Zeit verschaffen, indem man sich wie ein Igel zusammen rollt und die Arme schützend vor Mund und Nase kreuzt. Die größte Gefahr geht nämlich von den Schnee- und Eiskristallen aus, die in die Lunge gelangen können.