Das Überschwemmungsrisiko in den Alpen

Überschwemmungen können in den Alpen in bestimmten Regionen jederzeit auftreten. Kleine Bäche werden in wenigen Minuten zu reißenden Flüssen und trockene Flussbetten füllen sich in kürzester Zeit mit gigantischen Wassermassen. Die Gefahr für solche Ereignisse ist im Frühling besonders hoch, weil zu den normalen Niederschlägen das durch die einsetzende Schneeschmelze entstehende Wasser dazu kommt. Eine weitere Erhöhung dieses Risiko besteht immer dann, wenn es im Frühling zu Föhnwetterlagen kommt, bei denen die Temperatur an einem Hang rapide steigt.

Doch besonders hoch ist das Überschwemmungsrisiko immer auf der Seite der Bergrücken, auf die ein Hochdruckgebiet einwirkt, bei dem eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit zu verzeichnen ist. Kommt dann noch ein Tiefdruckgebiet auf der anderen Seite des Bergrückens hinzu, ist das höchste Gefahrenpotential für Überschwemmungen vorhanden. Dann steigen die Luftmassen des Hochdruckgebietes nämlich besonders schnell auf und es fallen enorme Niederschlagsmengen binnen kürzester Zeit, die jedoch auf Grund der physikalischen Gesetze nur in eine Richtung abfließen.

Lokale Unwetter bergen ebenfalls ein großes Risiko für Überschwemmungen. Sitzt nämlich eine Gewitterzelle erst einmal in einem Tal fest, tobt sie sich hier auch komplett aus. Um über die Berge hinweg zu kommen, müsste der Cumulus Nimbus nämlich zuerst aufsteigen. Das kann diese gewittertypische Wolkenformation nicht tun, ohne Energie abzugeben. Dabei kühlt sie aus und kühlere Luft ist nicht in der Lage, so viel Feuchtigkeit speichern zu können, wie dies bei einer wärmeren Luftmasse der Fall ist. Sie muss sich also abregnen, ehe sie weiter ziehen kann.

Die Gefahr für die Täler besteht dann darin, dass sich die Sturzbäche gleich aus mehreren Richtungen bzw. von mehreren Hängen ergießen. Flüsse und Bäche schwellen binnen weniger Minuten stark an und so mancher Wasserschwall kommt aus einer Richtung, aus der man ihn gar nicht erwarten würde. Liegen dann noch von Pflanzen entblößte Hänge in der Fließrichtung, kann es zur Ausbildung der gefürchteten Schlammlawinen kommen, die hohe Schäden an den Gebäuden anrichten und bei denen es auch häufig zu Personenschäden kommt.